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Am Gemeindehaus in Rheingönheim nagt sichtbar der Zahn der Zeit. Die Lage direkt an der Kreuzung Hauptstraße/Hoher Weg mit hohem Verkehrsaufkommen trägt erheblich dazu bei, dass die Fassade verblasst und verschmutzt ist, von den Schäden am Putz völlig abgesehen. Auch innen liegt einiges im Argen. Die Eingangstür aus Holz ist verzogen und quietscht, die halb gewendelte Holztreppe knarrt, die Haustechnik ist veraltet und die Fensterläden sind auch irgendwann auf der Strecke geblieben. Das ehemals schmucke Anwesen könnte eine umfassende Renovierung vertragen. Trotzdem lieben Ortsvorsteher Wilhelm Wissmann und seine Sekretärin Martina Majorosi ihren Arbeitsplatz im Denkmal.

 

Das Rathaus Rheingönheim, ein fast quadratisches zweigeschossiges Gebäude mit Walmdach und traditioneller Sandsteingliederung entstand 1876 nach den Plänen des damaligen Bezirksbauschaffners Steinbauer. Im Gemeindehaus, wie es inzwischen bezeichnet wird, befinden sich im oberen Stockwerk die Büros des Ortsvorstehers und der Saal für die Ortsbeiratssitzungen oder andere Veranstaltungen. Das Erdgeschoß beherbergt die Räume des Jugendzentrums. Wilhelm Wißmann, Ortsvorsteher seit 2017 und Gärtnermeister im Ruhestand, sieht sein ganzes Leben eng mit dem Gemeindehaus verbunden. Als waschechter Rheingönheimer, erblickte er in der Carolistrasse das Licht der Welt und schon seine Geburt wurde standesamtlich im Gemeindehaus ins Register eingetragen, ebenso wie seine standesamtliche Trauung im Jahr 1973.

 

Als langjähriger Kerweborsch von Rheingönheim pflegte er mit seinen Vorgängerinnen im Amt regelmäßige Kontakte. So kennt er auch die Stärken und Schwächen des Gebäudes sehr gut. „Es ist nun mal ein altes Haus mit stabilem Mauerwerk und dicken Wänden. In den vergangenen heißen Wochen musste Frau Majorosi, die ja jeden Tag im Büro ist, morgens alles zum Lüften aufreißen. Kommen erst einmal die Herbst- und Wintermonate, wird sie eher wieder unter kalten Füßen leiden“, erzählt er schmunzelnd. Für ihn, der immer im Freien gearbeitet hat, ist das kein Problem. „Trotz der Widrigkeiten, fühle ich mich wohl in dem historischen Anwesen und im netten Kontakt mit den Menschen. Natürlich sind der bröckelnde Keller und der für mich unangenehme Speicher nicht gerade schön. Aber unsere Büros sind ja in Ordnung“, bestätigt Majorosi. Haben allerdings körperlich eingeschränkte Menschen ein Anliegen, müssen sie klingeln und sie muss erst einmal runter laufen und fragen. Vielleicht kann sie gleich helfen und wenn nicht, hat sie auf jeden Fall mit dem mehrmaligen Treppenlauf gleich ein Fitnessprogramm absolviert. Deshalb freut sich der Ortsvorsteher darauf, dass demnächst nach und nach Renovierungen und Verbesserungen durchgeführt werden sollen.

Der Sandsteinkeller wurde in der Vergangenheit irgendwann mit Zementputz versehen, der jetzt von den Wänden bröselt. Außerdem lässt er keine Feuchtigkeit nach draußen und soll deshalb dringend entfernt werden.  Dafür muss vermutlich auch von außen aufgegraben werden. Danach sind die Fassade und das Dach dran. Wegen Brandschutzmaßnahmen ist an einen separaten Zugang gedacht. Ebenso ist die Modernisierung der Haustechnik vorgesehen. Außerdem wird ein Tausch mit den Jugendräumen erwogen, um einen barrierefreien Zugang und bessere Erreichbarkeit für behinderte Menschen zu ermöglichen. Generell steht Wißmann dem Thema Denkmalschutz und -pflege eher kritisch gegenüber. Er kann zum Beispiel nicht nachvollziehen, dass ein nur wenige Meter entfernt stehendes Fachwerkhaus, das 1632 erbaut wurde und alle Kriege überstanden hatte, vor einigen Jahren abgerissen werden durfte.

So hofft er darauf, dass wenigstens aus dem Gemeindehaus nach und nach wieder ein Schmuckstück wird, in dem heutige Anforderungen mit Denkmalschutz in Einklang gebracht werden.

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